1. Wirtschaftlicher Hintergrund

Anmerkungen von Notar, Rechtsanwalt und Steuerberater Günter Glock

Der Werbemarkt im TV

Bei den Beteiligten des relevanten Marktgeschehens unterscheiden wir zwischen den Fernsehwerbevermarktern (i.d.R. die Vermarktungsgesellschaften der Fernsehsender, nachfolgend auch als Vermarkter oder Medien bezeichnet), den Media-Agenturen (wie Carat) und den Werbekunden (wie ZHP und anderen werbenden Firmen).

Die Fernsehwerbevermarkter, insbesondere im Bereich der frei finanzierten Fernsehsender haben sich zum Teil zu Vermarktungsgesellschaften zusammengeschlossen, so beispielsweise die zur Pro 7/SAT 1-Gruppe gehörenden Fernsehersender Pro 7, SAT 1, Kabel Deutschland und N24, die sich zur gemeinsamen Vermarktung der Fernsehsendezeiten ihrer Tochtergesellschaft SevenOneMedia GmbH, Unterföhring, bedienen, oder die zur RTL-Gruppe gehörenden Sender RTL, VOX, Super RTL und n-tv über deren Vermarktungsgesellschaft IP Deutschland GmbH, Köln.

Diese Fernsehsender finanzieren sich praktisch ausschließlich aus dem Verkauf von Werbezeiten, in denen Werbespots der Werbekunden ausgestrahlt werden.

Auf dem Fernsehwerbemarkt, der die Bereitstellung von Werbezeiten für die Werbekunden umfasst, repräsentiert die SevenOneMedia GmbH etwa einen Marktanteil von 45% und die IP Deutschland GmbH etwa einen Marktanteil von 40% am gesamten Fernsehwerbemarkt. Daneben hat noch der Sender RTL II einen eigenen erheblichen Marktanteil von etwas unter 10%, die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF einen Marktanteil von jeweils unter 5% und eine Vielzahl kleinerer werbefinanzierter Sender einen weiteren Marktanteil von insgesamt weniger als 5%. In dem Zeitraum von Juli 2005 bis Mai 2007 erwirtschaftete beispielsweise die SevenOneMedia GmbH in etwa netto Werbeeinnahmen von rund 3 Milliarden €.

Im Rahmen eines Strafermittlungsverfahrens gegen Verantwortliche der Fernsehwerbevermarkter und Agenturen wurde nach Durchführung von kartellrechtlichen Verfahren u.a. der Vorwurf der Untreue gem. § 266 StGB zum Nachteil der Werbekunden untersucht und das Verfahren letztlich nach § 153 Abs. 1 StPO gegen alle Beschuldigten eingestellt.

Im Zuge dieser Verfahren wurden weiterreichende Untersuchungen und Recherchen zum Fernsehwerbemarkt vorgenommen, die letztendlich auch den Carat-Skandal betreffen.