Werbespots zu Spottpreisen


Der Wiesbadener Kurier schreibt .... Zitat:

ZIVILPROZESS Warum Aegis Media von Reinhard Zoffel und Volker Hoff 2,5 Millionen Euro haben will

Von Christoph Cuntz

Volker Hoff, einst Hessens Europaminister und bis vor kurzem Cheflobbyist der Adam Opel AG, war gar nicht erst zur Verhandlung erschienen. Dabei geht es auch für ihn um viel. Immerhin um 2,5 Millionen Euro, die Aegis Media - ein Konzern, der im großen Stil mit TV-Werbezeiten handelt - von ihm und seinem früheren Geschäftspartner Reinhard Zoffel fordert. Mit diesem Betrag soll der Schaden beglichen werden, der Aegis aus Geschäften entstanden war, die der frühere Vorstandsvorsitzende des Konzerns, Aleksander Ruzicka, in den Jahren bis 2006 mit der Wiesbadener Werbeagentur Zoffel Hoff Partner (ZHP) gemacht hatte.

Ruzicka ist längst rechtskräftig verurteilt. Er hatte seinen einstigen Arbeitgeber um 35 Millionen Euro betrogen, ein großer Teil des Geldes war über ZHP abgeflossen. So sei gute Leistung honoriert worden, erklärt Reinhard Zoffel den Geldfluss. Die Geschäfte damals hätten allen genutzt: ihm und Volker Hoff, aber auch Aegis Media und den Kunden, die ZHP betreut hatte.

Geldtransfers strafbar?

Aegis Media wiederum spricht von Scheingeschäften, die Ruzicka mit ZHP eingefädelt habe. Teil dieser Scheingeschäfte soll es gewesen sein, dass Zoffel und Hoff Millionen, die der frühere Aegis-Chef veruntreut hatte, ohne erkennbaren Grund weiterleitete an Firmen, die im Wesentlichen dem Privatmann Ruzicka gehörten.

Waren die Geldtransfers allein schon strafbar? Ganz nebenbei ist auch das eines der Themen in dem Prozess vor der Zivilkammer, deren Vorsitzende Martina Müller „leichtfertige Geldwäsche“ nicht ausschließen will.

Ob reale oder scheinbare Geschäfte: Nach beiden Erklärmustern ging es um TV-Werbezeiten, die Ruzicka weitergereicht hatte an ZHP. Spots, die zu „besonderen Einkaufsvorteilen“ zu haben waren, wie auch Zoffel nicht ausschließt. Denn Aegis habe kleine Agenturen wie ZHP regelrecht geködert und diesen „alle nahezu unverkäuflichen Werbezeiten angedreht“, als „preiswerten Einstieg in die Fernsehwerbung“.

Manager der größten TV-Sendergruppen haben Zoffels Darstellung gestern widersprochen. Die Werbezeiten der RTL-Gruppe vermarktet IP-Deutschland, Martin Wolff ist dort Mitglied der Geschäftsleitung. Nach seiner Darstelllung hatte ZHP 2005 von seinem Unternehmen Werbezeiten gekauft, die nach dem Listenpreis 3,52 Millionen Euro gekostet hätten. ZHP aber bekam das Paket für knapp 300 000 Euro. Maßgeblichen Anteil daran hatte der damalige Aegis-Chef Ruzicka.

Ein so hoher Rabatt sei für ihn „schwer nachvollziehbar“, so Martin Wolff als Zeuge vor Gericht. Über die hohen Preisnachlässe könne er „nur schmunzeln“. Die bekämen bei der RTL-Gruppe nicht einmal die Großkunden.

Hohe Rabatte

Unrealistisch ist offenkundig auch das Geschäftsmodell, über das ZHP Werbezeiten von SevenOneMedia bezogen hatte. So heißt das Unternehmen, das die Werbung für Sat 1 und Pro Sieben vermarktet. Die Spots, die ZHP dort über Aegis und damit über Ruzicka geordert hatte, hätten nach Liste einen Wert von 3,5 Millionen Euro gehabt. Aber Zoffel und Hoff mussten nur zehn Prozent dieses Preises zahlen. „Ich glaube, das kann nicht sein“, so Thomas Wagner, Geschäftsführer bei SevenOneMedia, als Zeuge im Zivilprozess. Er hat geprüft, welche Konditionen acht vergleichbaren Kunden eingeräumt worden waren: Die hatten immerhin noch zwischen 60 und 78 Prozent des ursprünglichen Listenpreises zahlen müssen.